Mit Mama zur Uni

An Schulen ist er schon lange bekannt, an Universitäten bislang wohl eher nicht: Der Elternabend.
Aber: Als Erziehungsberechtigte(r) will man ja schließlich ein Mitspracherecht haben…

Frei nach dem Motto “Mit Mama zur Uni”, sind Eltern an ausgewählten Hochschulen nun eingeladen, sich persönlich einen Eindruck zu verschaffen, wie es denn mit dem Studium des geliebten Kindes so läuft. Es wurde aber auch wirklich Zeit für ein solches Angebot, denn schließlich möchte man als Erziehungsberechtigte(r) ja auch wissen, ob der eigene Nachwuchs gut behandelt wird. 😉

vorstheim.net Holger Vorstheim reading bookImmerhin könnte es ja sein, dass der Professor nicht “nett” zur Tochter oder zum Sohnemann ist. Da muss man als Eltern natürlich rechtzeitig einschreiten, bevor womöglich ein psychischer Schaden entsteht. Wer soll denn dann für die Kosten der dringend benötigten Psychotherapie aufgrund einer PTB (Posttraumatische Belastungsstörung) aufkommen?

Sie merken: Ich kann bei diesem Thema nicht wirklich sachlich bleiben!

Als ich zufällig auf einen Artikel der “Welt” gestoßen bin, musste ich mich erst sicherheitshalber noch einmal davon überzeugen, ob ich ich nicht versehentlich beim Postillon gelandet war…

Das Angebot (“Probesitzen im Hörsaal”) scheint jedoch ein voller Erfolg zu sein. Zum Elternabend der Uni Hildesheim haben sich mehr als 300 Personen angemeldet, wobei natürlich nicht nur Mama und Papa, sondern auch Oma und Opa ihr Kommen zugesagt haben.
Hier sei mir die Frage erlaubt: Was ist eigentlich los an unseren Universitäten? Zugegeben, mein Studienabschluss an der Uni Essen (inzwischen: Duisburg-Essen) liegt bereits 14 Jahre zurück. Aber ich war damals mit Studienbeginn doch froh, mich endlich vom Elternhaus lösen zu können! Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, meine gesamte Ahnentafel in die Mensa einzuladen…
vorstheim.net - Holger Vorstheim study-groupGerne würde ich bei diesen Elternabenden mal unbemerkt zuhören.
Ich stelle mir das so vor: “Guck mal Oma, hier konsumiere ich jeden Tag meine Bio-Vollwertkost. Und gleich zeige ich dir noch das Büro meiner (Ägyptologie-) Dozentin, die meine letzte Klausur nur mit ´gut´ benotet hat. Vielleicht haben wir ja Glück und sie ist noch da. Dann könntest du bitte mal mit ihr über die Benotung diskutieren. Schließlich halte ich mein Ausführungen für ´sehr gut´, hat Papa auch gesagt!”

Es wird dann bestimmt auch nicht mehr lange dauern, bis die besorgten Eltern versuchen werden, mit den Dozentinnen und Dozenten auch über den Inhalt und den Ablauf der Seminare und Klausuren zu diskutieren. Das wird spannend! Bestimmt haben diese Eltern ebenso schon früher dem Kollegium der (Grund-)Schule erklärt, dass sie “so nicht” mit dem eigenen Nachwuchs umgehen könnten und sich daher fürsorglich als Berater angeboten…

Jedenfalls wird mir ganz komisch dabei, wenn ich mir vorstelle, wie unsere “Elite von morgen” heute mit den Eltern durch die Uni-Gebäude schleicht und die Absolventen in einigen Jahren womöglich als CEOs über das Schicksal mehrere (hundert, tausend,…) Angestellter entscheiden werden. Wenn das mal gut geht. Aber notfalls bekommt Papa halt einen Beratervertrag, dann kann man sich bei notwendigen Entscheidungen zumindest rückversichern.

So, ich werde jetzt direkt mal nachfragen, ob es an der Uni Duisburg-Essen inzwischen auch Elternabende gibt. Vielleicht können meine Eltern so ja nachträglich noch etwas etwas an meiner Staatsexamensnote “drehen”. Schließlich ist am Tag vor meiner schriftlichen Abschlussprüfung meine Lieblingsameise gestorben. Dieser “psychische Ausnahmezustand” ist meiner Meinung nach bei der Bewertung nicht ausreichend berücksichtigt worden!
Hoffentlich hat Mama Zeit…

 

Fotos / Grafiken:
Ambro – freedigitalphotos.net
David Castello Dominici – freedigitalphotos.net
Gerd Altmann-Shapes – AllSilhouettes.com: pixelio.de

 

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