Kritik am Arbeitgeber im Netz – Eine gute Idee?

“Das war ja mal ein richtig besch… Tag heute in der Firma!” – So (oder so ähnlich) hat sicherlich jeder Angestellte schon einmal empfunden.
Allerdings sollte man sich öffentliche (negative) Äußerungen und Kritik über den Arbeitgeber besser verkneifen! – Oder doch nicht?

ID-10065911Viele Angestellten sind in ihrer Freizeit in Internetforen aktiv oder betreiben ein eigenes Blog. (Ob es nun “das Blog” oder “der Blog” heißt, soll hier nicht das Thema sein…) Aber wie ist es denn nun mit Äußerungen über den Arbeitgeber? Darf ich etwas Negatives schreiben ohne gleich eine Abmahnung oder Kündigung in den Händen zu halten?

Wer jetzt hier eine juristische Beratung und womöglich noch rechtskräftige Urteile mit Aktenzeichen erwartet, um auf der sicheren Seite zu sein, den muss ich leider enttäuschen! Vielmehr ist es mein Anliegen darauf zu schauen, welche Vorgaben Unternehmen ihren Angestellten machen und welche Vor- und Nachteile mit solchen Entscheidungen verbunden sind.

Die Handhabung der Unternehmen, Verbände und Einrichtungen ist in der Praxis sehr verschieden. Manche Arbeitgeber haben “Social-Medie-Richtlinien” für ihre Angestellten erstellt. Dort wird nahezu bis ins Detail geregelt, was die Beschäftigten in ihrer Freizeit über das Unternehmen veröffentlichen dürfen – und was nicht. Andere Betriebe wiederum -zumeist diejenigen, die sich selbst im Internet (mit Ausnahme einer statischen Homepage) eher rar  machen- sehen keine Notwendigkeit für solche Richtlinien. Sie vertrauen da eher auf geltende (Grund-) Gesetze.

Gemeinsam ist den meisten Arbeitgebern jedoch, dass diese es in derRegel nicht gerne sehen, wenn sich ein Angestellter öffentlich negativ über sie äußert. Sie befürchten einen Image-Schaden und damit verbunden den Verlust von Kunden, Klienten, Auftraggebern.

Doch in der letzten Zeit ist zu beobachten, dass sich (besonders große, global agierende Unternehmen) hier anders aufstellen: Einige gestatten ihren Angestellten ausdrücklich, sich im Internet auch negativ über ihren Dienstgeber zu äußern!

Jetzt werden viele Leser sicherlich der Meinung sein, dass dies ja eine völlig verrückte Idee ist, seine Mitarbeiter quasi noch zu ermutigen, auch von negativen Erfahrungen öffentlich zu berichten. Aber bei genauer Betrachtung ist eigentlich das Gegenteil der Fall, was ich gleich erläutern möchte.

  • Das Unternehmen bringt damit zum Ausdruck, dass es die Anliegen seiner Angestellten sehr ernst nimmt und um ein offenes, angenehmes Betriebsklima bemüht ist.
  • Die Firma kommuniziert (bei einer Veröffentlichung ihrer Richtlinien mit der Erlaubnis zu negativen Äußerungen) eine offene Einstellung: Man ist bereit dazu, Kritik -nicht nur von Mitarbeitern- anzunehmen und begreift diese als Chance zur Entwicklung. Das wirkt positiv auf Kunden, da diese damit rechnen können, mit ihren Anliegen ebenfalls ernst genommen zu werden.
  • Der Arbeitgeber verdeutlicht, dass er seine Transparenz “lebt” und diese nicht nur als Phrase für seine internen Qualitätsmanagement-Richtlinien verfasst hat.
  • Er umgeht damit die Schwierigkeit, negative Äußerungen im Internet sowieso nicht unterbinden zu können. Es ist für jeden technisch einigermaßen versierten Anwender kein Problem, ein anonymes Blog oder Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken unter einem Fantasienamen zu veröffentlichen.

In meinen Augen liegt der größte Vorteil jedoch darin, dass ein gutes Betriebsklima im Vordergrund steht und die Mitarbeiter so angehalten werden, selbst das Mögliche dazu beizutragen.

Finden sich im Internet keine (oder kaum) wenige negative Äußerungen über das Unternehmen, obwohl es öffentliche Kritik ausdrücklich gestattet, so hat dies eine enorme positive Außenwirkung: Potentielle neue Kunden, Mitarbeiter und Auftraggeber wissen: Hier herrscht ein sehr gutes Klima, dass angenehmes und produktives Arbeiten ermöglicht! Hier werden keine negativen Äußerungen unterbunden oder gelöscht, sondern es gibt (kaum) welche!

Gibt es eine bessere Marketing-Strategie?

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