Grundschüler: Stress und Depressionen

Vormittags in der Schule, danach schnell Mittagessen und die Hausaufgaben erledigen, anschließend weiter zur Musikschule, Nachhilfe, Fußball und bevor es ins Bett geht noch schnell beim Psychologen vorbei schauen…

Bereits Grundschüler haben einen so vollen Terminkalender, dass mancher Erwachsene nur noch staunen kann.
Dazu kommt dann noch der Leistungsdruck in der Schule (Tests, Klassenarbeiten etc.), der Streit mit den Geschwistern und die Auseinandersetzungen mit den eigenen Eltern, die ja zum Erwachsenwerden irgendwie dazu gehören.ID-10079961

Da verwundert es nicht wirklich, dass sich die Zahl der wegen Depression behandelten Kinder und Jugendlichen von 2005 bis 2011 fast verdreifacht hat. Die KiGGS-Studie (eine Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland) kommt zu dem beunruhigenden Ergebnis, dass bereits 15 Prozent aller Jugendlichen Anhaltspunkte für psychische Probleme zeigen.

Wobei man an dieser Stelle m.E. genau untersuchen sollte:

Zeigen Kinder in der Schule schlechte Leistungen, weil sie an Depressionen leiden? – Oder leiden sie an Depressionen, weil sie schlechte Leistungen erbringen?

(Dieser Frage werde ich in nächster Zeit einen gesonderten Blog-Beitrag widmen! Ich bin mir sicher, dass dies eine Grundlage für interessante und spannende Diskussionen setzen wird.)

Die repräsentative Elefanten-Kindergesundheits-Studie von 2011/2012 belegt außerdem:

  • Drittklässler empfinden den Erfolgsdruck doppelt so oft als anstrengend wie Zweitklässler,
  • fast jedes fünfte Kind frühstückt niemals oder sehr selten vor dem Schulbesuch,
  • In zehn von elf teilnehmenden Bundesländern ist die Schule der höchste Stressfaktor,

Erfreulich ist hingegen: Mehr als die Hälfte der Kinder im Alter zwischen 7 bis 9 geht nach draußen oder spielt drinnen, liest, malt oder treibt Sport um den Stress abzubauen. Dies widerspricht der weit verbreiteten Annahme, Kinder würden in den meisten Fällen das TV oder den PC (Internet) zum “Abschalten” nutzen.

Aus persönlichen Feedbacks ist mir bekannt, dass viele Eltern angeben, sie müssten halt einen gewissen “Druck” auf ihre Kinder ausüben. Schließlich wollen sie “eine gute Zukunft” für ihre Kinder, wozu auch gehöre, dass sie “möglichst nicht zur Hauptschule” gehen. Da Empfehlungen für die Art der weiterführenden Schulen (in den meisten Bundesländern) ja schon in der vierten Klasse ausgesprochen werden, beginnt der Leistungsdruck für die Schülerinnen und Schüler schon sehr früh.
(In Berlin hingegen besuchen Kinder 6 Schuljahre lang die Grundschule, was zur Folge hat, dass dort die Schule nicht als Stressfaktor Nr. 1 betrachtet wird.)

Diese veränderte Lebenswirklichkeit führt manchmal zu kurios anmutenden Äußerungen (wie ich neulich beobachten konnte).
Da sagt ein neun Jahre altes Mädchen zu ihrem Vater:

“Papa, ich bin froh, wenn ich auch bald arbeiten gehen kann! Du stehst morgens später auf als ich und bist dann so abends wieder da. Da bin ich noch lange nicht fertig mit meinen Sachen. Ich möchte auch gerne so viel Zeit haben wie du!”

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